r/FinanzenAT • u/TheKlyros • 15h ago
Steuern Zukunftsdepot - Problematiken
Ich bin kein Feind des Zukunftsdepots, aber was man bisher hört, tun sich da schon viele gravierende Problematiken auf.
Vorweg, ich kann mir das für meine Kinder leisten. Fairer wäre es aber schon, wenn es nur einen geringeren Freibetrag gäbe und so mehr Leute es voll oder zumindest zu einem guten Teil ausnutzen können. So ist es natürlich schon eine Verbesserung für Besserverdiener: Wer mehr hat, bekommt auch mehr dabei raus.
Besser wäre sowieso ein Freibetrag für alle Personen statt diese Altersbindung. So gibt es erstens den Freibetrag nur für Kinder, die ab kommendem Jahr geboren werden und zusätzlich haben diese den Vorteil die gesamten 18 Jahre ausnutzen zu können, während ein Kind, dass z.B. 10 ist, nur 8 Jahre ausnutzen kann. (Übrigens sind auch ältere Eltern im Schnitt bevorzugt. Schließlich haben die meistens ihre Finanzen und ihr Leben schon geregelt. Wie viele junge Eltern werden das aber groß ausnutzen können?)
Was man bisher gehört hat: Das Zukunftsdepot kann nicht vor dem 18. Geburtstag aufgelöst werden. Die Kest fällt bis zum 18. Geburtstag nicht an.
Entstehende Problematiken
Ich nehme einfachtshalber an, dass jedes Jahr nur der Vater, die 5000€ einzahlt. Weiteres ignoriere ich, dass auf z.B. Dividenden trotzdem KeSt anfällt und bezeichnet das Depot einfachtshalber als KeSt-frei.
Ich nehme stark an, dass auch jetzt viele Eltern ansparen/investieren, um später ihre Kinder zu unterstützen.
* Falls aber etwas passiert (Krankheit, Todesfall, Arbeitslosigkeit,...) haben die Eltern dann trotzdem für den Notfall Zugriff auf das Ersparte. Mit dem Zukunftsdepot ist das Geld komplett entzogen. Und selbst wenn das Kind/Teenager, die Familie mit dem Geld unterstützen will, kann es das nicht vor dem 18. Geburtstag.
* Wenn Eltern derzeit für ihre Kinder ansparen, übergeben sie das Geld (oder Teile davon), wenn sie es für notwendig halten: Autokauf, Wohnung, Studium, ... Beim Zukunftsdepot geht es mit 18 fix in den Besitz des Teenagers über, unabhängig davon, ob es das zu dem Zeitpunkt überhaupt braucht. Etliche sind da noch Schüler, in Ausbildung, oder gerade beim Bundesheer/Zivildienst. Ich bezweifle sehr stark, dass das immer sinnvoll ist.
* Todesfall des Vaters (also der Person, die das Geld angespart hat). Rein rechtlich haben andere Pflichtteilerben Anspruch auf Schenkungen, die vor dem Todesfall passieren. Ja, meist wird noch anderes Geld vorhanden sein und das ausgleichen können aber was wenn nicht?
* Todesfall des Kindes. Dafür wird sicher gesetzlich vorgesorgt werden. Vermutlich wird das Konto aufgelöst. Frage ist, ob dann die Kest trotzdem erlassen bleibt. Rein rechtlich, ist es ja das Depot des Kindes gewesen und bis 18 KEST-frei.
* Ende der KeSt-Freiheit zum 18. Geburtstag. Löst die Bank dann alle Veranlagungen auf? Der Zeitpunkt an dem, die KeSt anfällt, tritt ja erst ein, wenn die Gewinne realisiert werden. Wenn zum Beispiel ein ETF bespart wurde und der dann bei +100% steht, ist ja die KeSt erst zu zahlen, wenn es auch realisiert wird. Das nächste Problem was da anfällt, falls es automatisch aufgelöst wird: Durchgängig wird ein ETF bespart. Er steht dann so ca. bei +100%. Zum Stichtag stürzt der Weltmarkt ab (Dotcom-Blase, Wirtschaftskrise 2008, Corona, ...) und man steht beim Stichtag mit 0% Gewinn da. Also gibt es sowieso keine KeSt. Paar Monate später erhöht sich der Markt, der ETF steht wieder bei +100% und man muss aber nun KeSt abführen, weil nach dem 18. Geburtstag. Aus meiner Sicht muss man also gegen Ende der Frist (letztes Jahr+) aktiv das Depot managen. Gewinne schnellstmöglich realisieren und neu anlegen.
Meinungen dazu?
Edit: Einige Fehler ausgebessert.